1872 kaufte der Seifenfabrikant Ludwig Küntzelmann das Gut und teilte die Gutsfelder in Parzellen auf. Er richtete später ein Gesuch an das Innenministerium, dass der Weisse Hirsch sich künftig als klimatischer Kurort bezeichnen dürfe. 1875 wurde der Weisse Hirsch „klimatischer Kurort“.

Die weitere Entwicklung des Ortes bestimmte das 1888 von dem Arzt Heinrich Lahmann gegründete Sanatorium. In Diagnose und Therapie verband er das Wissen der klassischen Schulmedizin mit Elementen der Naturheilkunde. Entgegen dem Trend der damaligen Zeit legte er vor allem Wert auf den ganzheitlichen Ansatz der Behandlung, d.h. er analysierte das soziale Umfeld, die Lebens- und Arbeitsgewohnheiten und richtete seine Behandlung danach aus. Viel Bewegung, ausreichend Luft, eine richtige Ernährung, Spass und ein gesundes Mass an Unterhaltung – dieses Wohlfühl-Konzept zog in den Jahren des Bestehens tausende Gäste aus aller Welt in das Sanatorium.

Viele weiter Sanatorien entstanden, eine eigene Infrastruktur, zahlreiche Geschäfte und Cafés. Der Weisse Hirsch war kein reiner Gästeort mehr sondern entwickelte sich zur gehobenen Wohngegend.
Seit 1899 war der Ort an das Dresdner Straßenbahnnetz angebunden. Ein Komfort, den Einwohner und Gäste zu schätzen wussten. Man weilte in der Natur, brauchte aber die kulturelle Vielfalt der nahen Stadt Dresden nicht zu missen.

Bis 1914 stieg die Zahl der Kurgäste jährlich. Nach Kriegsausbruch untersagte der Gemeinderat den „feindlichen“ Ausländern den Besuch der Kuranlagen und Einrichtungen. Im November erfolgte die amtliche Ausweisung der ausländischen Gäste. Damit büsste der einst weltoffene Weisse Hirsch eine wichtige Gästegruppe für lange Zeit und zum Teil für immer ein. In Lahmanns Sanatorium wurde 1914 ein Lazarett eingerichtet und erst 1919 wieder aufgelöst.

Ludwig Maximilian Küntzelmann
Dr. med. Heinrich Lahmann